Bereits um 1525 waren in Gols, Rust und Mörbisch Einflüsse der von Wittenberg ausgehenden Reformation bemerkbar. 25 Jahre später war das lutherische Gedankengut fest in den Gemeinden verankert, Gottesdienste wurden in der Landessprache gehalten, das Abendmahl in beiderlei Gestalt gefeiert. Für die Pfarrgemeinde Gols können bis 1673 insgesamt 17 Pfarrer nachgewiesen werden, die nach lutherischem Vorbild predigten und Gottesdienste feierten.

Von 1681 bis 1781 durften die Evangelischen BewohnerInnen des heutigen Burgenlandes und Westungarns nur an drei Orten Gottesdienst feiern. Diese Orte wurden 1681 im Landtag zu Ödenburg beschlossen und waren für die Lutheraner Nemescso und Nemesker in Ungarn und für die Reformierten Oberwart. Gottesdienste nach evangelischer Liturgie wurden weiter in Scheunen und am Zeisl-Anger gefeiert, zwei Mal jährlich zog die Bevölkerung nach Preßburg/Bratislava oder nach Ödenburg/Sopron aus, um das heilige Abendmahl in beiderlei Gestalt zu feiern. Diese Auszüge waren lebenserhaltende AusWege für den evangelischen Glauben im Burgenland.

1781 wurde das Toleranzpatent von Josef II. veröffentlicht und in Kraft gesetzt, im Oktober in den Habsburgischen Erblanden bzw. im Dezember in Ungarn. Dieses Toleranzpatent erlaubte evangelische Gemeindegründungen unter der Voraussetzung, dass sich mindestens 500 Einzelpersonen oder 100 Familien zum evangelischen Glauben bekannten.
Auf dem Gebiet des heutigen Burgenlandes bildeten sich 1782 in wenigen Wochen 14 Toleranzgemeinden, in Westungarn wurden 37 Gemeinden gegründet. Die Reformierten im Burgenland bewahrten auch die ungarisch-sprachige Tradition des Protestantismus in Österreich.
In historischen Ungarn konnten die Habsburger die Gegenreformation nie vollständig durchsetzen, deshalb blieben auch im habsburgischen Teil Ungarns manche evangelische und reformierte Gemeinden seit der Reformationszeit ununterbrochen bestehen.

Noch heute verbindet die Toleranzgemeinden die gemeinsame Geschichte. Die gemeinsame Entwicklung des lutherischen Glaubens, wenige Jahre nach Luthers erstem Auftreten, in der Region Burgenland und Oberungarn (Teile Ungarns und heutige Slowakei) schafft noch heute Gemeinsamkeiten über die Grenzen der drei Länder Österreich, Slowakei und Ungarn hinweg.

Anlässlich des Lutherjahres 2017 (500 Jahre Reformation) soll ein Radweg von Bratislava über den Neusiedlersee und durch die österreichischen und ungarischen Toleranzgemeinden bis nach Murska Sobota (Slowenien) ausgewiesen werden. und Damit wird ein Teil der Burgenländisch-Ungarischen Geschichte für die lokale Bevölkerung wie für TouristInnen erlebbar gemacht werden. Dieser Weg stellt eine Weiterführung des Wegs 'Burgenländische AusWege' dar.
Der Weg soll in Slowenien als Primoz Trubar Weg fortgesetzt und in Triest mit dem Ende des Weg des Buches - Bibelschmugglerweg zusammentreffen und damit einen Teilabschnitt der zukünftigen Europäischen Kulturroute der Reformation werden, die als Projekt Wege in Deutschland, Polen, der Tschechischen Republik, Ungarn, Österreich, Slowenien und Italien darstellen.